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Was denn nun?

Am 11. September gab es ja einen reißerischen Artikel über das Ende von Licht am Tag. Dieser war so einseitig dargestellt, dass er mich sogar zu einem Leserbrief veranlasste (mehr dazu hier).

Als einer der Hauptgründe für das Aus von Licht am Tag wurden die steigenden Unfallzahlen genannt. Da wurden Argumente gebracht wie: Blendung, Zweiradfahrer schlechter gesehen, Reizüberflutung, …

Heute lese ich:
Negativ-Rekord: Im ersten Halbjahr schon 324 Verkehrstote

Weiter im Text heißt es dann:

Alkohol als häufige Ursache
Auch Unfälle mit Alkohol am Steuer häuften sich 2007: Sowohl bei den Unfällen (1.258) als auch bei den Verletzten (1.797) stieg die Zahl um 16 Prozent. 22 Menschen kamen durch alkoholisierte Autofahrer ums Leben – 47 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2006. Von Jänner bis Juli 2007 waren um 13 Prozent mehr Kinder an Unfällen beteiligt.

Also, lasst uns das einmal kurz durchrechnen. Grummel, grummel, tipp, tipp macht also 277 Tote im Vergleichszeitraum des vorjahres. Heuer sind es um 47 Tote mehr.
Von diesen sind aber, siehe Zitat oben, alleine 22 auf Alkoholisierung zurückzuführen. Da spielt Licht am Tag wohl keine Rolle.

Weiter im Text:

Für den VCÖ ist die Unfallbilanz „katastrophal” und „alarmierend”. Verkehrsexperte Martin Blum fordert rasche Konsequenzen: „Die Maßnahmen müssen bei den Hauptunfallursachen ansetzen. Und diese sind Schnellfahren, Alkohol am Steuer und Ablenkung, etwa durch Telefonieren am Steuer.”

Aha! Auch hier nix von Licht am Tag. Und dabei war gerade der VCÖ immer für die Abschaffung von Licht am Tag und hat die höheren Unfallzahlen darauf zurückgeführt.

Sogar heute noch lese ich (etwa im Glocalist)

… Daher kann ich Innenminister Platter nur voll und ganz zustimmen, wenn er sich für ein Ende der Lichtpflicht ausspricht”, stellt VCÖ-Experte DI Martin Blum fest.

Da soll sich noch einer auskennen. Das zeigt auch, was von unseren „Experten” zu halten ist. Mit Statistiken ist das halt so eine Sache. Man kann hineininterpetieren was man will. Ich finde es nur schlimm, dass wegen ein paar Stimmen mehr (wenn überhaupt), mit unser aller Gesundheit und Leben gepielt wird!


Gleich und gleich verhaftet sich gern

Von mir immer wieder gefordert, trotz gut vierhundert (400) MitarbeiterInnen noch immer nicht geschafft jemanden zu finden, der die Artikel in ÖSTERREICH vor Drucklegung einmal durchliest.

Dann könnten solche Fehleistungen, zumindest deren Veröffentlichung, weitgehend verhindert werden:

Österreich, Ausgabe 373


Sein und Schein

Meine Ansichten zu ÖSTERREICH habe ich hier ja schon öfter kundgetan. Trotzdem konnte ich es mir vor zwei Tagen nicht verkneifen, auf Grund der einseitigen Berichterstattung zu „Licht am Tag” wieder einmal einen Leserbrief zu schreiben.
Wider Erwarten (es war mein bisher vierter Leserbrief, die ersten drei wurden ignoriert) wurde in der heutigen Ausgabe mein Leserbrief abgedruckt. Genau genommen wurden eigentlich nur Teile davon gedruckt.

Um zu zeigen, wie mit Leserbriefen umgegangen wird (um deren Inhalt abzuschwächen oder ins Gegenteil der ursprünglichen Aussage zu verwandeln?) möchte ich hier den Originalbrief dem dann gedruckten Leserbrief gegenüberstellen:

Betreff: Leserbrief zum Artikel: Jetzt ist das Ende für "Licht am Tag" besiegelt (ID: 125447)

Haben sie es also doch geschafft! Faymann und Platter in Kooperation mit dem (angeblichen) „Verkehrsexperten” Pfleger. Licht am Tag soll wieder abgeschafft werden.

Ich darf vorausschicken, dass ich schon Jahre vorher immer mit Licht gefahren bin (so wie ich auch schon lange vor einführung der Helmpflicht nie oben ohne Helm Motorrad gefahren bin). Es ist also klar, dass ich ein Verfechter dieser Regelung war/bin.

Trotzdem bin ich natürlich für alle Argumente offen und verstehe, dass es abweichende Meinungen geben kann. Darüber sollte offen und ehrlich geredet werden und sachliche Argumente sollen überzeugen.
Was hier aber an „Argumenten” gegen Licht am Tag gebracht wurde/wird, ist einfach unseriös, dumm und hirnlos.

Lasst uns einmal die häufigsten „Gegenargumente” ansehen:

1. Man beruft sich auf eine Studie von Ernst Pfleger!
Das alleine gibt mir schon zu denken und kommt mir so vor, als würde man einen Vegetarier eine Studie über Fleisch in der Nahrung machen lassen (auch hier würde das Ergebnis:
Fleisch darf nicht mehr gegessen werden, schon von vornherein feststehen). Denn immerhin gibt er zu, dass er das schon immer als Nachteil gesehen hat.

2. Licht am Tag hat nur geblendet!
Diese Meinung vertritt ein „Experte” des Arbö (natürlich auch jemand, der immer schon gegen Licht am Tag war!).
Häähh??? Wenn ein normales Abblendlicht bei hellem sonnenschein jemanden blenden kann, was ist dann erst bei Dunkelheit? Es ist doch jedem klar, dass ein Licht bei hellerer Umgebung weniger hell erscheint.
Vor allem in der Stadt müssten dann in der Nacht alle Schaufenster, beleuchteten Werbungen, Geschäftsschilder, Straßenbahnhäuschen und was da sonst noch blinkt und leuchtet, abgeschalten werden (was natürlich im Sinne des folgenden „Argumentes” ein Haupttreffer wäre, würde es doch eine Menge Energie und damit CO2 einsparen).

3. Hohe Betriebskosten durch hohen Stromverbrauch!
Das ist ja das beste Argument überhaupt. Da lese ich heute:
„… der Betrieb der Lichtmaschine erhöht den Treibstoffverbrauch“

Na das sind einmal neue Erkenntnisse! Zum einen weiß das jedes Kind, zum anderen ist es ja nicht so, dass die Lichtmaschine nur läuft, weil das Licht aufgedreht ist (die Lichtmaschine läuft sowieso immer mit um die Batterie zu laden)!
Noch dazu ist ein modernes Auto mit Elektronik (die natürlich eine Menge Strom braucht) nur so vollgestopft. Da werken zig Elektromotoren vor sich hin, die Sitze lassen sich elektrisch verstellen, natürlich auch die Spiegel und Fenster, die Musikanlagen werden immer stärker, mindestens sechs Lautsprecher müssen es sein, nicht zu vergessen die Klimaautomatik, der MP3-Player, die beiden Bildschirme mit DVD-Player für die Rückbank und das Navigationssystem. Natürlich werden nebenbei noch das Handy und der Laptop aufgeladen.

Hinzu kommt, dass im Großteil des Jahres witterungs- und jahreszeitenbedingt sowieso das Licht eingeschaltet sein müsste (weil auf Grund der schlechten Sicht, Regen, Schnee, Nebel, diesiger Tag, … laut StVo dann sowieso mit Licht gefahren werden muss).

Und dann regt man sich auf, weil zwei kleine Glühbirnen in der restlichen Zeit angeblich so viel Strom fressen und dadurch zu einem enormen Benzinmehrverbrauch und weiters zu einem ungeheuren CO2-Ausstoss führen sollen?
Das ist ja wohl ein Witz – oder?

Wenn ich mir überlege, was alleine ein Intensivbett im Krankenhaus, in, sagen wir einmal drei Monaten, an Energie verschlingt (und da rechne ich die Infrastruktur noch gar nicht mit) …?
Da könnte man aber eine Menge H4-Lamperln kaufen.

4. Steigende Unfallzahlen
Eines der am meisten gebrachten Argumente. Allerdings nimmt man die reinen Unfallzahlen her, ohne diese differenziert zu betrachten. Vom Prinzip her wäre das so zu verstehen:
In einem Jahr verunglücken 20 Menschen beim Bergsteigen. Also wird eine Seilpflicht eingeführt.
Im Jahr nach Einführung der Seilpflicht verunglücken 22 Menschen. Also wird die Seilpflicht abgeschafft, da es nach ihrer Einführung um 10% mehr Unfälle gab.

Dabei wird aber (bewusst?) außer Acht gelassen, dass vor Einführung der Seilpflicht 100.000 Menschen in den Bergen herumkletterten und im Folgejahr (auf Grund des schönen Wetters) aber schon 150.000. Wenn man auch das betrachten würde, würde man schnell erkennen -auch wenn man kein „Experte” ist – dass prozentuell die Unfallzahlen deutlich gesunken sind.
Und ähnlich verhält es sich mit Licht am Tag. Man muss nur einmal sehen, wie viele Zweiradfahrer heuer unterwegs waren und wie viele vor zwei Jahren.

Gerade bei den Zweirädern ist es doch eindeutig so, dass immer mehr, immer schlechtere Fahrer (und natürlich auch Fahrerinnen) auf den Straßen unterwegs sind. Die Motorräder werden immer stärker und das Fahrkönnen und die Benutzung des Gehirns immer schwächer. Das hat nichts damit zu tun, ob die Pkw jetzt das Licht eingeschaltet haben oder nicht.
Und das die Red Biker (grob gesagt die Motorradsektion der SPÖ) jetzt in lauten Jubel verfallen, weil das Licht am Tag wieder abgeschafft werden soll (noch dazu im Jänner, wo man sowieso fast immer mit Licht fahren wird müssen) kann ich nur so verstehen, dass es von Schwarz-Orange eingeführt wurde und daher per se schlecht sein muss.

Ich glaube, dass es einfach um Stimmenfang geht. Die Koalition bringt nichts auf die Reihe, das Ansehen in der Bevölkerung ist unter jeder Sau, und die Politikverdrossenheit nimmt ständig zu.
Also schnell etwas gemacht, von dem angenommen wird, dass zumindest der Großteil der Bevölkerung das als positiv wertet. Und wenn man den Studien glauben darf, sollen ja weit über 70% der Leute gegen Licht am Tag sein. Man ist hier also auf der vermeintlich „sicheren” Seite, wenn man auch dagegen ist.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass in Deutschland gerade über die Einführung von Licht am Tag diskutiert wird? Und das die EU eine europaweite Einführung desselben vorbereitet?

——–
OpaEmil
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Und das wurde letztendlich daraus gemacht:

Scan aus Österreich, Ausgabe 373

Es geht doch nichts über eine offene, ehrliche, unabhängige Tagezeitung – oder?


So kann ein falscher Eindruck entstehen

Heute fiel mir besonders folgende Überschrift auf:

Kannibale

An und für sich keine sonderlich aufregenden Zeilen.

Aber aus der Kombination der beiden Überschriften entsteht der Eindruck, dass der „Kannibale von Wien” nach seiner unfassbaren Tat wieder bei Appetit ist. Und damit das auch so bleibt bekommt er bald einen neuen Mitbewohner.

Schließlich soll er ja nicht vom Fleisch fallen – oder?


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