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Das große Beweihräuchern

Morgen wird ÖSTERREICH ein Jahr alt. Ich weiß nicht, ob ich gratulieren soll. Obwohl, warum eigentlich nicht? Immerhin hat die Zeitung mir einige Stunden Heiterkeit beschert.
Also schon heute: Alles Gute!

Ich bin gespannt, wer da morgen aller schreiben wird, wie toll, super, großartig, einzigartig, gut recherchierend, unvoreingenommen, unparteiisch, dem aufrechten Journalismus verpflichtet und erfolgreich diese Tageszeitung ist. Und was für ein tolles Team dort, mit welchen modernsten Mitteln und Methoden arbeitet, um dann täglich die Zeitung auf der modernsten Druckerei von überall drucken zu lassen.

Natürlich wird sicher auch darüber berichtet, über welchen Themen ÖSTERREICH als erste Zeitung von allen berichtet hat. Viele (mehr oder weniger) prominente ÖsterreicherInnen werden ihre Meinung zum Blatt kundtun.
Und ich bin sicher, das wird ein einziges Loblied sein.

Genau so sicher bin ich aber auch, das niemand auch nur ein Wort über die vielen Fehler verlieren wird, die noch immer tagtäglich produziert werden.
Ich habe diesbezüglich auch schon mehrmals Leserbriefe geschrieben. Klar, dass kein einziger davon veröffentlicht wurde. Nicht einmal eine Antwort habe ich erhalten.
Aber das habe ich eigentlich auch gar nicht erwartet!


Unglaubliche Erkenntnisse

Ich kann gar nicht glauben, zu welch überraschenden, einzigartigen und unglaublichen „Forschungsergebnissen” und Erkenntnissen ÖSTERREICH gelangt ist:

Da lese ich jetzt:

72% aller Unfälle in der Freizeit: 1.601 Menschen starben
Freizeit riskanter als Autofahren

Im Text dann weiter:

… knapp ¾ der Unfälle (72 Prozent) passierten in der Freizeit …
… tendenziell ist Freizeit übrigens gefährlicher als Autofahren …
… vor allem Pensionisten leben riskant: 87 Prozent der älteren Verunglückten taten das bei Alltagstätigkeiten …
Denn: wer viel frei hat, verunglückt eher in der Freizeit!

Na bumm! Wer hätte das gedacht? Eine Woche hat 168 Stunden. Davon werden in der Regel 40 Stunden gearbeitet (in vielen Branchen auch nur 38,5). Sagen wir grob, dass mit der An- und Abfahrt etwa ein Viertel der Wochenzeit für Arbeit draufgeht. Das wären also 25 Prozent.

Nach Adam Ries bedeutet das aber, dass, wenn nun 72% aller Unfälle in der Freizeit passieren, eigentlich die Arbeitsunfälle prozentuell gesehen überwiegen. Noch dazu, wo hier auch viele mitgerechnet werden, die gar nicht (mehr) arbeiten und somit 100% Freizeit haben.

Ganz besonders toll finde ich ja den Satz: „Tendenziell ist Freizeit übrigens gefährlicher als Autofahren”. Das klingt für mich wie: „Nachts ist es kälter als draußen”.
So ein Schmarren. Noch dazu, wo die meisten Leute sicher in der Freizeit mehr Kilometer fahren (außer sie sind Berufskraftfahrer)!

Und das Pensionisten logischerweise eigentlich immer in der Freizeit verünglücken, liegt wohl auch in der Natur der Sache!

Mit diesem reißerischen Artikel hat sich ÖSTERREICH wieder einmal selbst übertroffen.
Man denkt immer, tiefer kann es nicht mehr gehen – und wird jedesmal eines Besseren belehrt!


Was nun?

ÖSTERREICH kann wieder einmal nicht die wahre Begebenheit eines Geschehens klarmachen.

Also werden kurzerhand beide Beteiligten sowohl zum Sündenbock, als auch zum Opfer gemacht. Sicher ist sicher:

Was nun?


Kamera an

„Big Brother im Gemeindebau“
So wird heute ein Artikel in ÖSTERREICH betitelt.

Es geht darum, ob in den Gemeindebauten zukünftig Videoanlagen zur Überwachung installiert werden sollen.
Ich bin absolut dafür! Erhoffe mir dadurch weniger Sachbeschädigungen, weniger Hundescheiße und letztendlich weniger hohe Betriebskosten.
Aber da die Sache noch vor die Datenschutzkommission muss, wird es wohl noch etwas dauern.

Bis sich hier etwas tut, habe ich schon einmal zur Selbsthilfe gegriffen. Da ich nur meinen Bereich (Aufgang und Terrasse) überwache, ist das rechtlich kein Problem. Die Daten werden nach 24 Stunden automatisch überschrieben (soferne nichts passiert ist)
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Videokamera


Inhalt
  • In diesem Blog werden inhaltliche, redaktionelle und sonstige Fehler und Irrtümer der Print- und Onlineausgabe von ÖSTERREICH (und anderen Zeitungen) aufgezeigt.

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