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Für manche belangloses Zeug -
für mich mein Leben.

Archiv: Montag, 5. Mai 2008

Mai 052008

eigentlich wollte ich mich zum „fall amstetten” ja nicht äußern. dazu fehlen einem irgendwie die worte. wenn ich nun aber höre und lese, was von seiten gewisser politiker jetzt für unsinn verzapft wird, muss ich meinen senf auch dazugeben – und zwar zu deren forderungen/äußerungen.

klar, dass jetzt politiker jeglicher colleur sich der hochkochenden volksseele anschließen. gerne, so hört man von diversen stammtischen, wäre man auch selbst bereit, dem (mutmaßlichen!?) täter die ihm zustehende strafe (je nach alkoholpegel von lebenslanger zwangsarbeit über das abreißen seiner fortpflanzungsorgane bis hin zu langsamen zu tode foltern) zu verabreichen.
müssig datrüber zu spekuliern, was solche äußerungen über dern äußerer aussagen.

jedenfalls sind viele politiker sehr bemüht, sich der meinung des „kleinen mannes von der straße”, anzuschließen. schade nur, dass sie dies in andern punkten so gut wie nie tun.
und gerade politiker wie starche und westenthaler „der rächer hojak” tun sich hier besonders hervor.

bar jeder emotion will ich einfach einmal auflisten, was westi jetzt lauthals fordert:

  • 1. untersuchungspflicht für kinder
  • 2. ansiedlungsverbot
  • 3. lebenslange haft bei schweren sexualdelikten und eine lebenslange aufsicht bei allen anderen missbrauchsdelikten
  • 4. sofortige abschaffung der tilgungsfrist bei schweren sexualstraftaten
  • 5. strenge mindeststrafen und eine verdopplung aller strafen bei verbrechen an kindern
  • 6. berufsverbote
  • 7. auch eine chemische kastration bei schweren sexualstrafdelikten für wiederholungstäter kann westi sich vorstellen, denn er meint: hier geht opferschutz immer vor täterschutz

klingt für viele einleuchtend und viele an den stammtischen nicken jetzt zustimmend mit den köpfen.

sehen wir uns jetzt an, was für auswirkungen solche gesetze auf den „fall amstetten” gehabt hätten, hätte es sie schon gegeben:

  • ad 1. die adoptierten kindern wurden nicht missbraucht (über seine erziehungsmethoden reden wir jetzt nicht), was also hätte deren untersuchung zu tage gefördert (außer dass er sehr streng ist). und was würden kinder bei so einer untersuchung schon groß erzählen, wenn sie wissen, was zu hause auf sie wartet?
  • ad 2. der täter in diesem fall war hausbesitzer. hätte man ihn dann (auf steuerkosten) umgesiedelt, ein neues haus gebaut, …?
  • ad 3. da gilt es zu definieren, was ein „schweres sexualdelikt” überhaupt ist. würde seine erste straftat nicht in diese rubrik fallen, hätte sich nichts an der sache geändert
  • ad 4. siehe pkt. 3, keine schwere straftat, trotzdem löschung der akte.
    ganz abgesehen davon, dass dies, auch bei einer einstufung als schwere straftat nur verhindert hätte, dass er seine drei (enkel)kinder adoptiert. am schicksal seiner tochter und deren anderen kindern hätte das gar nichts geändert. eher hätte es wohl dazu geführt, dass mehr kinder im ofen verschwunden wären.
  • ad 5. dazu muss man den täter einmal haben (hinterher kann keine noch so strenge strafe das leid der betroffenen mildern. für seine tochter macht es vermutlich kleinen unterchied ob er jjetzt fünf, zehn oder zwanzig jahre eingesperrt wird)
  • ad 6. der täter hatte beruflich nie mit kindern zu tun. was also hätte das geändert?
  • ad 7. zuerst einmal zu seiner aussage opferschutz vor täterschutz: wie kann eine chemische kastration die opfer noch schützen? die tat ist ja schon geschehen.
    und neu taten können dadurch, wenn man aktuellen wissenschaftlichen studien glaubt, wohl auch nicht verhindert werden. es geht dabei in erster linie um ausübung von macht, nicht um gechlechtsverkehr. und diese machtfantasien werden durch diese mittel nicht unterdrückt, ert recht nicht beseitigt.

in der pressestunde meinte er auch:

Jedes Jahr werden 1.000 schwere Missbrauchsfälle in Österreich bekannt, die Dunkelziffer liegt jedoch bei 20.000 Verbrechen im Jahr …

würde mich brennend interessieren, wie er auf diese zahl kommt.

auch verweist er in diesem Zusammenhang auf den fall kampusch, das zu tode geprügelte baby luca und die innsbrucker babymorde. auch das sollte wohl seine populistischen forderungen unterstützen.
dass dies jeweils komplett unterschiedliche täter(innen) und motive sind, ist ihm egal. auch dass noch so scharfe gesetze keinen dieser fälle verhindern hätten können ignoriert er. noch dazu waren das alles erst/einmaltäter. da gab es keine strafakten, keinen eintrag in irgendwelchen obskuren datenbanken, keine verschärfung durch wiederholungstaten und … und … und,

aber egal. als politiker muss man ja nicht nachdenken. hauptsache, man redet dem (auch nicht immer nachdenkenden) volk nach dem maul und lenkt von seinen eigenen problemen (wann ist jetzt die verhandlung wegen seiner falschausagen?) ab!

gemacht mit wordpress, viel kaffee, blut und schweiß!
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