was haben wir nicht schon alle über trüffel gehört? schwärmerisch ergeht man sich in beschreibungen wie:
der geruch der schwarzen trüffel ist verführerisch und lieblich, ein wenig süß und ein bisschen erdig. wenn sie sich beim geruch auch noch ein wenig zurückhält, beim geschmack lässt sie die muskeln spielen. ganz ohne die geringste spur von bitterkeit oder anderen unangenehmen nuancen ist der geschmack ein füllhorn betörender aromen, die sie nicht nur in sich trägt, sondern auch verschwenderisch verteilt.
klar, das auch wir einmal vom „nuancenreichen, nussigen geschmack” kosten und den „aromatischen honigduft” inhalieren wollten. also haben wir, schon vor einigen tagen, eine kostprobe dieser delikatesse bestellt.
und heute sollte es endlich soweit sein. ich kann nicht genau sagen, was wir erwartet haben. auf jeden fall eine außergewöhnliche kulinarische erfahrung. na ja, genau betrachtet war es das auch: außergewöhnlich!
aber halt leider anders, als erhofft:
vorsichtig habe ich die trüffel (es handelte sich um schwarze sommertrüffel aus italien) aus dem glas genommen. eine erste geruchsprobe: riecht nach nichts.
wahrscheinlich müssen sie erst feingehobelt werden. mangels eines trüffelhobels griff ich zum messer um sie in dünne scheiben zu schneiden:

immer noch umströmte mich kein betörender duft. macht nichts. vielleicht entfaltet sich das aroma erst wenn die trüffel erwärmt werden. aber wenigstens den puren geschmack wollte ich jetzt gleich erfahren. also ein stück probiert.
hmm, aha, interessant. das geschmackserlebnis beschränkte sich auf … ja, auf was eigentlich?
im großen und ganzen schmeckten die trüffel nach nichts. einzig die rauhe hülle hatte im abgang, ganz im hintergrund, einen erdig-gruftigen geschmack (der an den geruch alter keller erinnerte).
ach ja, die wärme. also ein paar feine scheiben über die heiße eierspeise. kosten. wieder nichts mit geschmacksexplosion. etwas frischgeriebenen parmesan dazu. hmm, der parmesan schmeckt. der trüffel leider immer noch nicht.
also, wenn das der „erlesene genuss” gewesen sein soll, kann ich in zukunft gut und gerne auf solche „spezialitäten ” verzichten.
das ganze getue um die trüffel erinnert mich stark an „des kaisers neue kleider”.
jeder äußert sich wohlwollend, bewundernd und überwältigt von der ganzen pracht. sei es, um „dazuzugehören”, oder um nicht als gourmand dazustehen, oder einfach um „in” zu sein.
warum auch immer. jedenfalls traut sich niemand zu sagen, dass diese „delikatesse” eigentlich sch…. schmeckt und ihr geld nicht im entferntesten wert ist.
jetzt wird der eine oder andere gourmet sich vielleicht berufen fühlen zu sagen:
„da muss man eine echte trüffel probieren. jeder weiß doch, dass eine sommertrüffel „von weit geringerem kulinarischen rang” ist …”.
also, ihr gourmets:
- die gekauften trüffel wurden wie ganz oben beschrieben angekündigt
- da stand nichts von geringerer qualität - eher im gegenteil
- 18 g davon kosteten knapp 17 euro
- ein kilo (dafür braucht man 55½ solcher portionen) kosten demnach über 900 (!) euro, da darf man schon etwas mehr erwarten – oder?
wir verbuchen das ganze unter „probiert – für nicht gut befunden – wieder vergessen”. aber zumindest mitreden können wir jetzt. ob wir das allerdings wollen?