Gerade hab ich, wieder einmal, einen Bericht über das Gesundheitssystem der Amerikaner gelesen – besser gesagt, über ein nicht-vorhanden-sein desselben.
Es wurden einige Beispiele aus Texas geschildert. Da es dort kaum große Firmen gibt (nur diese bieten ihren Angestellten eine Zuzahlung zu einer Krankenversicherung, die durchschnittlich über 10.000 Dollar im Jahr kostet), sind sehr viele Arbeiter nicht krankenversichert. So meint etwa ein Tankstellenbesitzer aus Ranger:
Wir kleinen Gewerbetreibenden können für unsere Angestellten unmöglich eine Krankenversicherung bezahlen. Es geht uns nicht gut, wir arbeiten 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – und kommen gerade so zurecht. Meine Jungs wissen, dass ich keine Krankenversicherung bezahlen kann. Ich selbst habe auch keine. Es ist einfach zu teuer.
Und so geht es einem Viertel aller Texaner (immerhin 5,5 Millionen Menschen), die ohne jeden Krankenversicherungsschutz leben, in ganz Amerika sind es 46 Millionen Menschen.
Sein Neffe (der seit seinem 18. Lebensjahr Diabetiker ist und für seine vierköpfige Familie 1300 Dollar im Monat verdient erzählt:
Manchmal kann ich mir die Insulinmedikamente nicht leisten. Die Tabletten kosten rund 300 Dollar im Monat. Bald muss ich Insulin spritzen, das ist dann noch teurer. Ich muss mich jeden Monat entscheiden: Bezahle ich meine Rechnungen oder kaufe ich mir Medikamente?
Und so passiert das Paradoxon, dass immer mehr “reiche” Amerikaner zu ihren armen Nachbarn nach Mexiko fahren, um dort Medikamente zu kaufen, die hier um bis zu 90 Prozent billiger sind.
Ganz kurios wird es, wenn man, wie z.B. in San Antonio, für 45 Dollar in einem Supermarkt kleine Untersuchungen und Eingriffe vornehmen lassen kann. Und solche Billigkliniken werden immer öfter die einzig mögliche Anlaufstelle für arme Amerikaner.
Oft passiert es auch, dass Krankheit ein Grund für den sozialen und wirtschaftlichen Abstieg wird. So hatte Danita Woods ihre erste Brustkrebsbehandlung mehr als 200.000 Dollar gekostet, so dass sie am Ende der Therapie ihren gesamten Besitz verkauft hatte und einen Offenbarungseid leisten musste. Ihr Resümee:
Wenn Dir niemand hilft, kannst Du nur noch Selbstmord begehen oder einfach in der Ecke sitzen und auf den Tod warten. Es gibt kaum Hilfe für Menschen wie mich.
Dr. Safford weiß, dass viele Frauen gar nicht erst zur Frühuntersuchung gehen.
Ich kenne sehr viele Frauen, die haben selbst Knoten in der Brust gespürt und waren ziemlich sicher, dass sie Krebs hatten. Sie haben ihr Schicksal akzeptiert. Akzeptiert, dass sie sterben mussten. Denn sie waren vor eine schreckliche Wahl gestellt: entweder eine Krebsbehandlung zu bezahlen oder ihre Familie zu ernähren.
Wenn man sieht, was alleine im Irak täglich an Geld sinnlos vernichtet wird kann man nur sagen: Armes, reiches Amerika!