DCN Blog

Für manche belangloses Zeug -
für mich mein Leben.

Archiv: November 2005

Nov 302005

Hinrichtung, © geh.orgDieser Tage begehen die USA wahrscheinlich ihre 1000. Hinrichtung, seit 1976 die Todesstrafe in 38 Bundesstaaten wieder eingeführt wurde. Eigentlich hätte es schon am 20. November soweit sein sollen. Aber der dafür vorgesehene Afroamerikaner (no na!) musste, auf Grund neuer Beweise, die eindeutig seine Unschuld bestätigten, nach 16 Jahren freigelassen werden - gerade noch.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe mussten 122(!) Häftlinge entlassen werden, da sich hinterher ihre Unschuld herausstellte! Keine genauen Zahlungen gibt es, wieviele Personen in dieser Zeit unschuldig hingerichtet wurden, da bei vielen unklaren Fällen die Untersuchungen nach der Hinrichtung des Verurteilten eingestellt wurden.

Befürworter glauben, dass diese Art der Strafe abschreckend wirkt. Das darf bezweifelt werden, haben doch gerade die Bundesstaaten mit Todesstrafe etwa eine deutlich höhere Mordrate. Generell kann es für mich sowieso nur eine Entscheidung geben: Abschaffung der Todesstrafe! Wie es 2004 fünf Länder gemacht haben: Griechenland, Türkei, Samoa, Senegal, und Bhutan.
Das waren dann 10 Tage Dauerbeleuchtung für das Kolosseum. Von mir aus könnten es heuer ruhig mehr werden (gibt es doch immer noch 75 Länder, die die Todesstrafe einsetzen!).

Nov 292005

FullaIn den islamischen Ländern hat Barbie starke Konkurrenz. Seit zwei Jahren gibt es Fulla, die “arabische Jasminblüte”, die mittlerweile schon über 1,5 Mill. Mal verkauft wurde.

Passenderweise trägt Fulla auswärts natürlich Kopftuch und die gesetzlich vorgeschriebene Abbaja. Für zu Hause sind lange Röcke und langärmlige Blusen erhältlich.
Es gibt auch ein Sondermodell, die Bet-Fulla (mit einem Gebetsteppich, einer Gebetskette und einem bestickten Gewand). Natürlich hat Fulla auch einen dunkleren Teint als Barbie - und kleinere Brüste. Sie gilt als eitel (hat auch braune Strähnchen im Haar), aber auch als konservativ und fromm.

Ob es einen Widerpart zu Ken geben wird, ist noch nicht sicher (aber da Fulla schon über 25 ist, müsste sie, nach arabischer Tradition, eigentlich schon verheiratet sein).
Barbie, das dauerlächelnde Dummchen gilt ja oft als das Feindbild vieler moderner Mütter. Aber im Vergleich zu Fulla erscheint Barbie ja direkt emanzipiert.

Der große Erfolg der Anti-Barbie dürfte auch darauf zurückzuführen sein, weil es in den letzten Jahren in fast allen arabischen Ländern zu einer Re-Islamisierung gekommen ist (so tragen inzwischen die meisten Ägypterinnen wieder Kopftuch).
Ich hoffe nur, dass Spielzeug nicht zu sehr dazu verwendet wird, politische Stimmung zu machen! Denn dann wird es wohl bald die erste Puppe mit Sprengstoffgürtel geben - und das will ich nicht hoffen!

Nov 282005

Weihnachtsgeschenk, Bildmontage by DCNDer erste Adventsonntag liegt hinter uns. Viele sind schon im vorweihnachtlichen Stress und machen sich (und ihre Umwelt), auf der Suche nach einem passenden Geschenk, ganz verrückt. Und letztendlich wird es dann oft doch nur die übliche Krawatte, das Rasierwasser, ein Parfum, …
Es macht wenig Sinn, sich mit Geschenken, die man sich oft sowieso nicht leisten kann, übertrumpfen zu wollen. Wieviele werden es auch heuer wieder sein, die ein großes Geschenk auf Pump finanzieren, nur damit sie angeben können, was sie nicht alles geschenkt hätten? Muss das wirklich sein? Wir haben doch eh schon alles. Gegen eine Kleinigkeit hat sicher niemand etwas einzuwenden - aber man muss es nicht übertreiben!

Um auf die Sinnlosigkeit des jährlichen Geschenkewahn(sinn)s hinzuweisen, haben die Medienkünstler (welche übrigens aus Wien kommen!) Thomas Steiner und Thomas Binder eine eigene Internetseite eingerichtet.
Hier gibt es für den, der schon alles hat Nichts um wohlfeile 99 Cent. Oder wie wäre es mit einem Garantierten Total-Betrug (Certified Total Scam)?
Das Motto der Seite lautet: “Wir versprechen alles und liefern nichts”.
Die Absicht der beiden Künstler:

Unser Ziel ist es, den Menschen aufzuzeigen, dass sie bis auf Nichts eigentlich schon alles gekauft haben

Also ich finde die Idee super und bin auch sicher, dass es einige geben wird, die hier kräftig zulangen werden. Dann kann man vor seinem Nachbarn wieder ordentlich auftrumpfen. Denn wer in der Nachbarschaft traut sich sonst zu sagen, dass er diesmal Nichts geschenkt hat?

Nov 272005

Die E-Card ist ja mittlerweile (auch wegen der nervigen Werbung) in aller Munde. Auch auf der MEDICA war die extramurale Versorgung eines der großen Themen. Nicht zuletzt wegen der erhofften Kostenreduktion.
Im Mittelpunkt standen sog. Telematik-Anwendungen, zu welchen auch die E-Card zu rechnen ist.

Aber was bringt uns das in Zukunft wirklich?
Derzeit scheint es ja eher so zu sein, dass hier einiges an (nicht vorhandenem) Geld der Krankenkassen versenkt wird. Macht es Sinn, die Gesundheitsdaten hier abzuspeichern? Von wem kommen die Daten, was genau wird erhoben, gesammelt, ausgewertet?
Es sammeln sich ja immer mehr Daten bei Ärzten, in Spitälern und bei den Krankenkassen an (und diese müssen 30 Jahre lang aufbewahrt werden!).
Leider ist es doch so, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht und die Daten ganz nach Belieben erhebt. Man sollte doch diese Chance nutzen und die Datenerfassung vereinheitlichen. Es sollte eine einheitliche Struktur der Daten geben (und wenn man in Zukunft etwas davon haben will, muss es diese einfach geben).

Wenn es diese Daten nun schon gibt, sollten sie auch entsprechend sinnvoll eingesetzt werden können. Dazu bedarf es auch geeigneter Software, die Daten entsprechend präsentieren kann, ohne dass der Arzt (oder wer immer mit den Daten dann auch arbeitet) ein IT-Studium absolviert haben muss.
So könnten etwa neue Erkenntnisse in einem bestimmten medizinischen Bereich (z.B. eine neue Methode bei Rückenschmerzen) gezielt und kostengünstig an genau die Patienten gesendet werden, die entsprechende Probleme haben. Das würde sicher einen Haufen Geld sparen helfen und mehr bringen, als wenn tonnenweise Broschüren gedruckt werden, die dann in einer Ecke der Wartezimmer vergammeln.

Diese Daten könnten auch ein echter Schatz werden. Denn wenn Datenmaterial über mehrere Jahrzehnte gesammet wurde, können diese Daten sehr sinnvoll ausgewertet werden:

  • leben Raucher auf lange Sicht wirklich ungesünder
  • wie wirkt sich (starkes) Übergewicht aus
  • geht es einem Sportler auf Dauer gesundheitlich wirklich besser …??
  • Wenn meine Daten so verwendet werden, habe ich nichts dagegen. Nur sollte ein hohes Maß an Datensicherheit gewährleistet sein. Ich hätte kein Interesse daran, wenn jeder, der die Karte findet, auch an die Daten kommen kann!
    Und wenn wir die Daten schon haben, kann man sie auch gleich mit anderen Stellen (etwa dem Finanzamt) verknüpfen. So lässt sich erkennen, ob Leute, die wenig Geld haben, auch mehr krank sind, oder (wie es Josef Broukal sinngemäß fragt): “Machen schwere Arbeit und Armut früher tot?”
    Also, auf in die elektronische Zukunft unserer Gesundheit - möge es eine bessere sein!

    Nov 262005

    Finger weg, Bildmontage by DCNDie aktuelle Studie des “Referates für Einbrüche und Diebstähle” zeigt einen neuen Rekord bei Motorrad-Diebstählen:
    Seit 1. Jänner wurden in Wien bisher 753 Motorräder (und 258 Mopeds) gestohlen! Lt. Polizei handelt es sich dabei um Profi-Banden, die gleich mit dem Kleintransporter vorfahren. Dass diese meist aus dem Osten kommen, scheint niemanden zu verwundern. Besonders begehrt sind Supersportler (von 750 - 1000 ccm) und KTM-Enduros.
    Also, wenn mir so einer unterkommt, dem breche ich alle Finger – und einiges mehr!

    Nov 252005

    Papst… meint zumindest Papst Benedikt XVI. Und somit muss es stimmen, denn der Papst hat immer recht! Nun sollen, dem Ratzi nach, bekennende Schwule nicht die Priesterweihe bekommen können.
    Stellt sich mir schon die Frage: “Was ist dann mit den schon geweihten Priestern, die schwul sind?”

    Man geht derzeit davon aus, dass in der US-amerikanischen Kirche etwas 50% (!) der Kandidaten für ein Priesteramt schwul sind (bei uns geht man 20-30% aus)!
    In den Priesterseminaren rund um den Vatikan soll der Anteil an schwulen Anwärtern auch nicht gerade niedrig sein!

    Na ja. Auslöser für diese unverständliche Anordnung dürften wohl die vielen Missbrauchsfälle der letzten Jahre gewesen sein. Ich finde, dass es völlig wurscht ist, welche sexuelle Orientierung ein Priesteranwärter hat. Denn es ist egal, ob ein Schwuler oder ein Hetero keinen Sex haben darf, da ja für die Weihe menschliche Reife und die Verpflichtung zum Zölibat Voraussetzungen sind)! Meiner Meinung nach widerspricht es dem Gleichheitsgrundsatz, der, in etwas abgewandelter Form, auch in der kath. Kirche gilt, wenn von homosexuellen Priesteranwärtern mehr verlangt wird als von heterosexuellen. Das Keuschheitsgebot gilt ja für alle Priester gleichermaßen!

    Aber das war in der katholischen Kirche schon immer so: diskriminieren, verteufeln, totschweigen, ignorieren … Ich wäre für eine komplette Abschaffung des Zölibats und einer völligen Gleichstellung der Frauen (mit Zugang zu allen Ämtern).
    Aber solange dort nur alte, verdorrte Hinterwäldler das Sagen haben, wird sich da nicht wirklich was ändern (so nach dem Motto: Ich habe nicht dürfen - warum sollen die jetzt dürfen?). Es hat schon seine Gründe, warum ich aus der Kirche ausgetreten bin!

    Nov 252005

    (c)Serrano 1987Der amerikanische Fotograf Andres Serrano stellt derzeit in Deutschland aus. Bekannt wurde er weniger wegen der Qualität seiner Bilder, sondern wegen deren skandalheischenden Inhalten.

    Seine Bilder (hier ein paar Kostproben) sind in verschiedene “Themenbereiche” gegliedert. So findet man die Serie “Das Leichenschauhaus” (mit Fotos von Mordopfern, Ertrunkenen, Selbstmördern), oder “Eine Geschichte des Sex” (mit Bildern sadomasochistischer, sodomistischer und transsexueller Praktiken).
    Der Künstler meinte auf die Frage, warum es ihn ins Kunst- und nicht ins Pornogeschäft verschlagen habe: Der einzige Unterschied zwischen Pornografie und Kunst: Kunst ist teurer.”

    Bekannt wurde Serrano 1989 mit dem Foto eines in Urin getauchten Kreuzes, welches er “Piss Christ” benannte. Das 1987 entstandene Bild wurde monatelang in Brüssel ausgestellt, ohne das es große Beachtung fand. Zum Skandal kam es erst, als bei einer Ausstellung in den USA herauskam, dass dieAusstellung indirekt mit Steuergeldern gefördert wurde. Eine riesige Kampagne (mit 180.000 Briefen) wurde gestartet.
    Und eine bessere Werbung konnte es für den Künstler kaum geben, stieg doch der Preis von 2.000 Dollar auf 250.000 Dollar!
    Na ja, über (Kunst)Geschmack lässt sich halt nicht streiten.

    Nov 242005

    Bildmontage by DCNNach dem Skandalspiel der Schweiz gegen die Türkei ist es ja bekanntlich zu einigen sehr unschönen und unsportlichen Szenen gekommen.
    Deshalb haben nun Schweizer Fans, per Internet, zu einem Boykott von Kebab aufgerufen. Dazu sollen alle Kebabbuden (und türkische Gasthäuser) gemieden werden.

    Was im ersten Moment wie eine logische und nachvollziehbare Reaktion auf das Verhalten der türkischen Fußballfans erscheint, ist beim zweiten Hinsehen ein Schuss in den Ofen. Denn die meisten Imbisse (über 90%) gehören nämlich Kurden! Und diese sind bekanntlich alles andere als Freunde der Türken (was auch sehr verständlich ist, wenn man den Umgang der einen mit den anderen kennt).

    Eine weitere Reaktion auf dieses Spiel kommt von FIFA-Präsident Joseph Blatter.
    Dieser überlegt ernsthaft, vor Länderspielen keine Nationalhymnen mehr zu spielen! Als Begründung meinte er:

    Das war eine derartige Respektlosigkeit und eine Verletzung des nationalen Stolzes. Ich frage mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, Nationalhymnen abzuspielen.

    Und weiter:

    Beim Zusammentreffen zwischen Nationalismus, Leidenschaft und Emotionen müsse man damit rechnen, dass eine aufgeheizte Atmosphäre entstünde.”

    Besser wäre es, risikoreiche Spiele einfach in einem Drittland auszutragen.

    gemacht mit wordpress, viel kaffee, blut und schweiß!
    alle bilder - sofern nicht anders erwähnt: © by DCN
    die bilder sind alle bei flickr gespeichert